Bravo Magazine - Ralf and Florian - 1975
(German version)
Bravo: Hier im Apollo-Theater von Glasgow habt ihr vor etwa 500 Fans gespielt – 3000 hätten Platz gehabt. Seid ihr enttäuscht?
Florian Schneider: Ein bißchen schon, aber in anderen Städten wie Manchester und London life es besser. Außerdem ist es unsere erste Großbritannien-Tournee. Die Publikums-Reaktion ist jedenfalls positive. Ich bin sicher, daß es beim nächsten Mal besser laufen wird.
Bravo: Eure Auftritte bieten furs Auge sehr wenig. Ihr sitzt an euren Instrumenten wie an einer Kirchenorgel. Warum macht ihr keine Show?
Ralf Hütter: Bis vor einem Jahr trugen wir lange Haare und Jeans. Jetzt treten wir mit schwarzen Anzügen, weißen Hemden, Krawatten und kurzen Haaren auf. Das ist unsere “Show”. Wie die Sweet können wir doch unmöglich auftreten. Das paßt nicht zu unserer Musik.
Bravo: Macht ihr heute schon die Musik des Jahres 2000?
Florian Schneider: Computer und die Technik bestimmen unser tägliches Leben immer mehr. Darüber müssen auch wir Künstler nachdenken. Darum gehen wir neue Wege, suchen wir nach neuen Klangmöclichkeiten. Wir sind gerade dabei, einem Computer das Singen beizubringen. In 20 Jahren werden unserer Meinung nach kaum noch Gruppen mit Gitarren und Schlagzeug auftreten. Für uns gehören diese Instrumente heute schon der Vergangenheit an. Alles im Leben hat sich geändert. Technisch wurden gewaltige Fortschritte gemacht. Nur musikalisch stehen wir noch im Mittelalter. Deshalb erfinden wir neue Instrumente, auf denen wir die Musik der Zukunft machen können.
Bravo: Musik made in Germany wird also die große Sache werden? Glaubt ihr nicht, daß die großen Impulse auch in Zukunft aus England und Amerika, den bisher führenden Ländern der Pop Musik, kommen werden?
Ralf Hütter: Die deutschen Musiker sind nicht so stark wie die Engländer und Amerikaner mit dem Blues und dem Rock verbunden. Wir haben diesen Sound immer nur nachgespielt. Das gelang uns nie so gut, darum hatten wir international keine Chancen. Erst jetzt, wo wir die Musik machen, die die Engländer uns Amerikaner noch nicht beherrschen, kommen wir besser an. Im Augenblick beherrschen zwar noch die Musiker dieser Länder die Szene, aber sie fangen an, von uns zu lernen. Eines Tages werden sie unsere Musik nachahmen.
Bravo: Was wollt ihr mit eurer Musik ausdrücken?
Florian Schneider: Wir versichen, die Geräusche des täglichen Lebens in Musik umzusetzen. Für unsere Platte “Autobahn” fuhren wir wochenlang über Autobahnen. Wir nahmen die Fahrtgeräusche auf und verarbeiteten sie in unserem Studio zu Musik. Ebenso entstand unsere neue LP “Radioaktivität”. Das Wort hat eine doppelte Bedeutung. Einmal ist es die Aktivität der Rundfunksender. Durch sie wurden wir berühmt. Zum anderen ist es die Atom-Energie in den Bomben und Kernkraftwerken.
Bravo: Was habt ihr in den nächsten Monaten vor?
Ralf Hütter: Nach unserer Deutschland-Tournee gehen wir wieder nach Amerika. Außerdem müssen wir uns um unser Management k¨mmern. Wir machen alles allein. Haben einen eigenen Musikverlag, produzieren uns selbst, und vor zwei Monaten ist noch unsere eigene Plattenfirma hinzugekommen.


If you have a copy of any interview with members of Kraftwerk not found here, please send a message to us, clicking the Contact button at top of this page. The respective credit will be showed above the text, with your name and country.

Concert Dates |  Concert Reviews |   Discography |   Formations  ]
History |  Interviews |  Setup |  Technology |  Lyrics  ]

Updated: January 28, 2011