| Bravo:
Hier im Apollo-Theater von Glasgow habt ihr vor etwa
500 Fans gespielt – 3000 hätten Platz gehabt. Seid ihr enttäuscht? |
| Florian
Schneider: Ein bißchen schon, aber in anderen
Städten wie Manchester und London life es besser. Außerdem ist
es unsere erste Großbritannien-Tournee. Die Publikums-Reaktion ist
jedenfalls positive. Ich bin sicher, daß es beim nächsten Mal
besser laufen wird. |
| Bravo:
Eure Auftritte bieten furs Auge sehr wenig. Ihr sitzt
an euren Instrumenten wie an einer Kirchenorgel. Warum macht ihr keine Show? |
| Ralf
Hütter: Bis vor einem Jahr trugen wir lange
Haare und Jeans. Jetzt treten wir mit schwarzen Anzügen, weißen
Hemden, Krawatten und kurzen Haaren auf. Das ist unsere “Show”.
Wie die Sweet können wir doch unmöglich auftreten. Das paßt
nicht zu unserer Musik. |
| Bravo:
Macht ihr heute schon die Musik des Jahres 2000? |
| Florian
Schneider: Computer und die Technik bestimmen
unser tägliches Leben immer mehr. Darüber müssen auch wir
Künstler nachdenken. Darum gehen wir neue Wege, suchen wir nach neuen
Klangmöclichkeiten. Wir sind gerade dabei, einem Computer das Singen
beizubringen. In 20 Jahren werden unserer Meinung nach kaum noch Gruppen
mit Gitarren und Schlagzeug auftreten. Für uns gehören diese Instrumente
heute schon der Vergangenheit an. Alles im Leben hat sich geändert.
Technisch wurden gewaltige Fortschritte gemacht. Nur musikalisch stehen
wir noch im Mittelalter. Deshalb erfinden wir neue Instrumente, auf denen
wir die Musik der Zukunft machen können. |
| Bravo:
Musik made in Germany wird also die große Sache
werden? Glaubt ihr nicht, daß die großen Impulse auch in Zukunft
aus England und Amerika, den bisher führenden Ländern der Pop
Musik, kommen werden? |
| Ralf
Hütter: Die deutschen Musiker sind nicht
so stark wie die Engländer und Amerikaner mit dem Blues und dem Rock
verbunden. Wir haben diesen Sound immer nur nachgespielt. Das gelang uns
nie so gut, darum hatten wir international keine Chancen. Erst jetzt, wo
wir die Musik machen, die die Engländer uns Amerikaner noch nicht beherrschen,
kommen wir besser an. Im Augenblick beherrschen zwar noch die Musiker dieser
Länder die Szene, aber sie fangen an, von uns zu lernen. Eines Tages
werden sie unsere Musik nachahmen. |
| Bravo:
Was wollt ihr mit eurer Musik ausdrücken? |
| Florian
Schneider: Wir versichen, die Geräusche des
täglichen Lebens in Musik umzusetzen. Für unsere Platte “Autobahn”
fuhren wir wochenlang über Autobahnen. Wir nahmen die Fahrtgeräusche
auf und verarbeiteten sie in unserem Studio zu Musik. Ebenso entstand unsere
neue LP “Radioaktivität”. Das Wort hat eine doppelte Bedeutung.
Einmal ist es die Aktivität der Rundfunksender. Durch sie wurden wir
berühmt. Zum anderen ist es die Atom-Energie in den Bomben und Kernkraftwerken. |
| Bravo:
Was habt ihr in den nächsten Monaten vor? |
| Ralf
Hütter: Nach unserer Deutschland-Tournee
gehen wir wieder nach Amerika. Außerdem müssen wir uns um unser
Management k¨mmern. Wir machen alles allein. Haben einen eigenen Musikverlag,
produzieren uns selbst, und vor zwei Monaten ist noch unsere eigene Plattenfirma
hinzugekommen. |
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